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Wachsende Unzufriedenheit mit Bildungssystem

Nur jeder Fünfte in Deutschland bewertet das deutsche Bildungssystem positiv. Eine aktuelle internationale Studie zeigt deutliche Defizite und macht klar, wo die größten Herausforderungen liegen – von überfüllten Klassenzimmern bis hin zu den Folgen neuer Technologien.

Bildungssystem unter Druck

Das Vertrauen in das deutsche Bildungssystem lässt deutlich zu wünschen übrig: Laut dem aktuellen Ipsos Education Monitor 2025 beurteilen lediglich 21 Prozent der Befragten in Deutschland das Bildungssystem als gut. Mehr als doppelt so viele, nämlich 45 Prozent, sehen es kritisch. Damit zeigt sich in Deutschland beim Thema Schule ein besonders negatives Stimmungsbild – ein Befund, der im europäischen Vergleich nur von Ländern wie Ungarn, Frankreich und Rumänien übertroffen wird.

Als größte Herausforderungen nennen die Befragten in Deutschland vor allem einen veralteten Lehrplan (36 %), überfüllte Klassenzimmer (31 %) und eine unzureichende Lehrerausbildung (30 %). Auch der ungleiche Zugang zu Bildung bleibt mit 24 Prozent ein bedeutendes Problem.

Internationale Vergleiche

Weltweit betrachtet, halten sich Lob und Kritik in etwa die Waage. Besonders auffällig ist jedoch die deutliche Skepsis in Europa. Während in Ungarn 59 Prozent und in Frankreich 55 Prozent ihr Bildungssystem negativ bewerten, äußern sich die Menschen in Irland deutlich positiver: Dort halten 71 Prozent das Bildungssystem für gut. Auch in Großbritannien ist die Zustimmung mit 49 Prozent vergleichsweise hoch.

Diese Unterschiede verdeutlichen, dass Bildungssysteme nicht nur anhand von Ressourcen, sondern auch aus gesellschaftlicher Perspektive sehr unterschiedlich wahrgenommen werden.

Streitpunkt Social Media

Ein zentrales Thema der Befragung ist der Umgang mit digitalen Technologien. Soziale Medien sind längst fester Bestandteil im Alltag von Kindern und Jugendlichen. Doch die Skepsis in Deutschland wächst. Mehr als die Hälfte der Befragten (53 %) spricht sich inzwischen für ein Verbot von Social Media für unter 14-Jährige aus – ein Anstieg um 13 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Damit ist Deutschland das Land mit dem stärksten Zuwachs an Zustimmung für ein Verbot.

Im internationalen Vergleich liegt die Bundesrepublik damit dennoch auf dem letzten Platz: In Indonesien (87 %), Frankreich (85 %) und Italien (83 %) fällt die Zustimmung zu einem Verbot deutlich höher aus.

Smartphones im Klassenzimmer

Auch beim Thema Smartphones zeigt sich ein Trend zur stärkeren Regulierung. 56 Prozent der Deutschen sprechen sich für ein Smartphone-Verbot an Schulen aus – ein Plus von vier Prozentpunkten im Vergleich zu 2024. Damit liegt Deutschland knapp über dem globalen Durchschnitt (55 %). In Frankreich (80 %), Irland (70 %) und Spanien (69 %) ist die Zustimmung jedoch erheblich größer.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich viele Menschen hierzulande bewusst sind, wie stark Smartphones den Unterricht beeinflussen können. Gleichzeitig ist der Wunsch nach einem klaren Verbot in Deutschland weniger ausgeprägt als in anderen europäischen Staaten.

Künstliche Intelligenz: vorsichtige Offenheit

Beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) – einschließlich ChatGPT – in Schulen zeigen die Deutschen ein differenzierteres Bild. Nur 34 Prozent sprechen sich für ein Verbot aus, vier Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Gleichzeitig lehnen 38 Prozent ein solches Verbot ausdrücklich ab.

Das deutet darauf hin, dass die Vorbehalte gegenüber KI zwar bestehen bleiben, aber abnehmen. Während Social Media und Smartphones zunehmend kritisch betrachtet werden, scheint sich bei KI eine gewisse Offenheit zu entwickeln.

Allerdings herrscht große Unsicherheit über die möglichen Folgen: Nur 22 Prozent der Befragten glauben, dass KI vor allem positive Auswirkungen auf das Bildungswesen haben wird. 28 Prozent erwarten eher negative Folgen, 35 Prozent rechnen mit einem ausgeglichenen Verhältnis von Chancen und Risiken.

Herausforderungen für junge Menschen

Die Studie beleuchtet auch, welche Themen die Bevölkerung als größte Herausforderungen für Kinder und Jugendliche wahrnimmt. In Deutschland stehen Mobbing und Gruppenzwang mit 33 Prozent an erster Stelle. Auf Platz zwei folgt der Umgang mit Social Media und neuen Technologien (27 %).

Darüber hinaus werden eine schlechte Bildungsqualität sowie Armut und Ungleichheit jeweils von 25 Prozent der Befragten als besonders problematisch bewertet.

Besonders auffällig ist die Einschätzung zur psychischen Gesundheit junger Menschen. Eine deutliche Mehrheit von 57 Prozent stuft sie in Deutschland als schlecht ein, nur 9 Prozent als gut. Im internationalen Vergleich nimmt die psychische Gesundheit einen noch höheren Stellenwert ein: In den 30 befragten Ländern wird sie insgesamt am häufigsten als eine der drei größten Herausforderungen genannt.

Fazit

Der Ipsos Education Monitor 2025 zeichnet ein ernüchterndes Bild: Das deutsche Bildungssystem steht massiv in der Kritik. Überfüllte Klassenräume, veraltete Lehrpläne und unzureichende Ausbildung der Lehrkräfte belasten den Alltag in den Schulen. Gleichzeitig wächst die Skepsis gegenüber der Rolle von Social Media und Smartphones, während beim Einsatz von KI eine vorsichtige Offenheit zu erkennen ist.

Die Ergebnisse verdeutlichen: Ohne tiefgreifende Reformen, Investitionen in die Bildungsinfrastruktur und eine stärkere Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken digitaler Technologien wird es schwierig sein, das Vertrauen in das Bildungssystem wiederherzustellen.